Obst- und Gartenbauverein Bad Rotenfels 1930 e.V.
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Sommerschnitt an Obstgehölzen

 

Der Sommerschnitt an Obstgehölzen ist eine altbekannte und lang erprobte obstbauliche Praxis. Dabei kommen vor allem die Methoden des pinzierens, reißens, schneidens und ausbrechens zur Anwendung. Diese Maßnahmen unterstützen, um den Bäumen die gewünschte Wuchsrichtung zu geben und sie frühzeitig in den Ertrag zu bringen. Sommerschnitt gilt als Maßnahme, die starkem Wachstum im Spitzenbereich vorbeugt, die Bäume kleiner hält, sie besser mit Fruchtholz bekleidet, die Fruchtfarbe fördert und die Widerstandsfähigkeit der Früchte gegen Stippigkeit, Fleischbräune, Schalenbräune und Fäulnis stärkt. Darüber hinaus hat man mit Sommerschnittmaßnahmen die Möglichkeit, Fehler des letztjährigen Winterschnittes bzw. des Baumaufbaues elegant zu korrigieren bzw. akuten Fehlentwicklungen entgegen zu wirken. Im Folgenden werden die einzelnen Maßnahmen wie Pinzieren, Junischnitt oder –riss, Augustschnitt und Belichtungsschnitt vorgestellt.

Das Pinzieren
Das Pinzieren ist eine wichtige Methode um kompakte Baumformen für kleine Gärten zu erhalten. Gerade auf kleinstem Raum bieten sich Mauern, Häuserwände oder Zäune dafür an, ebenso Wege, die beidseitig mit Spalierobst bepflanzt werden. Beim Pinzieren werden Triebe mit eine Länge von 15-20 cm mittels Daumen und Zeigefinger bis auf 10-12 cm einkürzt. Diese Maßnahme kann durchaus mehrmals durchgeführt werden. Durch diese Sommerbehandlungen beruhigt sich das Triebwachstums und ermöglicht kompakte, kleine Baumformen ermöglichen und erhöht gleichzeitig die Fruchtbarkeit. Durch das Pinzieren schwächt man also den Trieb und zwingt den Saft, sich auch den untern Augen des Triebes mitzuteilen, so dass sich diese in Blütenknospen verwandeln.

 

Der Junischnitt
Ziel des Junischnittes ist es, ungünstig stehende, einjährige Triebe zu entfernen, die für den Ertrag oder Baumaufbau nicht benötigt werden und deshalb sowieso mit dem Winterschnitt entfernt werden müssten. Hierzu gehören auch die Wasserschosser oder oben auf einem waagerecht stehenden Ast sitzende Reiter. Deshalb bezeichnet man dies auch als „Grünschnitt“, denn die Triebe sind zu dem Zeitpunkt noch nicht verholzt. An der Schnittstelle kommt es dann in der Regel in demselben Jahr zu einem schwachen Neuaustrieb, was letztenendes zu einer Triebberuhigung führt. Oft reifen diese Triebe aber nicht mehr aus und sind frostanfällig, die Garnierung mit Blütenknospen ist mitunter ebenfalls unbefriedigend. Der Junischnitt wird hauptsächlich für die Formierung der Stammverlängerung bei starken Jungbäumen angewendet.

 

Der Sommerriss

Hierbei werden die noch krautigen einjährigen Triebe mitsamt den schlafenden Augen rausgerissen, ein Neuaustrieb in demselben Jahr wird somit in den meisten Fällen unterbunden. Besonders überbaute Kronenbereiche von starkwachsenden Apfelsorten und Birnen können so hervorragend reguliert werden. Meist bietet auch hierfür sich der Juni an, weil dann das Holz noch nicht ausgereift ist. Eine weitere Entwicklung des Junirisses ist das herausreißen ganzer mehrjähriger Äste. Damit werden 2 Ziele erreicht: zum einen werden ungünstig stehende, zu starke Äste komplett herausgerissen, wodurch die Belichtung der übrigen Baumpartien verbessert wird, zum anderen werden gleichzeitig überzählige Früchte entfernt, eine konsequente Ausdünnungsmaßnahme also.

 

Der Augustschnitt
Bei starkwachsenden Bäumen kann man den Winterschnitt für eine bestimmte Zeit ganz oder teilweise ersetzen. Die Bäume gehen dadurch vom Stadium „viele starke Jungtriebe, aber wenig Fruchtholz“ rasch in den Zustand „schwacher Neuaustrieb, hoher Besatz mit Fruchtholz“ über.  Oberstes Ziel ist der „ruhige Baum“ mit einem ausgewogenen Verhältnis von Triebwachstum und Ertrag. Augustschnitt lässt sich im Garten auch sehr gut zur Höhenbegrenzung einsetzen, dabei wird auch gezielt in das mehrjährige Holz geschnitten.


Der Belichtungsschnitt kurz vor der Ernte
Wie der Name schon sagt, dient er einer bessern Belichtung der Früchte ca. 14 Tage vor der Ernte. Hierbei werden i. d. R. nur jährige Triebe weggeschnitten, die für den weiteren Baumaufbau nicht mehr benötigt werden. Gerade bei zweifarbigen Sorten führt dieser Schnitt zu einer deutlich besseren Ausbildung der roten Deckfarbe. Vorsicht ist jedoch geboten bei intensiver Sonneneinstrahlung, denn dann steigt die Gefahr von Sonnebrandschäden deutlich.

Zusammenfassung und Bewertung
Sommerbehandlungen im belaubten Zustand können grundsätzlich bei allen starkwachsenden Baum- und Strauchobstarten angewendet werden. Diese Maßnahmen hemmen das Triebwachstum des Folgejahres durch Wegnahme von Assimilationsfläche (grüne Blätter). Gleichzeitig fördern sie die Fruchtbarkeit und den Blütenansatz. Darüber hinaus kann der Aufwand für den Winterschnitt deutlich reduziert werden. Gerade Überbauungen im Kopfbereich können sehr gut mit Sommerbehandlungen (Sommerriss, Augustschnitt) reguliert werden.

Auswirkung verschiedener Schnitttermine auf Wachstum und Fruchtbarkeit der Obstgehölze

Winterschnitt

Sommerschnitt

  • Standartmaßnahme bei Obstgehölzen
  • in der vegetationslosen Zeit (November – März)
  • fördert das Triebwachstum (Vegetatives Wachstum) und die Fruchtgröße im folgenden Jahr
  • wird in der Vegetationsperiode im belaubten Zustand durchgeführt
  • hemmt das vegetative Wachstum und reduziert die Fruchtgröße im Folgejahr
  • eine gute Maßnahme zur Beruhigung starkwachsender Bäume
  • fördert die Fruchtbarkeit (generatives Wachstum)
  • sehr gute und schnelle Wundheilung

 

Dennoch sind Schnittmaßnahmen im Sommer kein Allheilmittel zur Lösung aller Probleme. Deshalb sollte man es beim ersten Mal nicht übertreiben. Nicht angesagt, ja sogar kontraproduktiv ist ein Sommerschnitt unter folgenden Voraussetzungen:

  • bei schwach wachsenden Gehölzen!
  • bei hoher Sonneneinstrahlung + Hitze: Sonnenbrandgefahr!
  • bei Feuerbrand! (Wenn überhaupt, dann nur reißen, um eine Übertragung durch die Schere zu verhindern).



Spezielle Anforderungen einzelner Obstarten an den Sommerschnitt:

Pfirsiche
Oberhalb des Leit- bzw. Fruchtastes immer die stärksten Triebe entfernen, auf der Unterseite möglichst die schwächeren Triebe entfernen. Das ergibt einen harmonischen Baumaufbau und gleichmäßige Qualitäten.


Apfel
Liegt der durchschnittliche Triebzuwachs deutlich über 30-50 cm, so kann zur Beruhigung des Wachstums für 1-2 Jahre überwiegend im Sommer geschnitten werden.


Himbeeren
Für einen erfolgreichen Himbeeranbau belässt man etwa 10 Ruten pro laufenden Meter. Überzählige Bodentriebe können bereits im Frühjahr entfernt werden. Die verbleibenden Triebe werden danach besser ernährt. Außerdem trocknen sie schneller ab, was wiederum der Ausbreitung des Rutensterbens vorbeugt.


Brombeeren
Die Seitentriebe der diesjährigen Ranken werden ab Ende Juli auf 2 bis 3 Augen eingekürzt. Dadurch wird die Entwicklung der verbleibenden Ranken gefördert. Zugleich können auch überzählige Ranken entfernt werden, die sich ansonsten im Wachstum behindern würden.


Johannis-, Stachelbeeren
Nach der Ernte ist der optimale Zeitpunkt zur Entfernung abgetragener Triebe, die älter als 4-5 Jahre sind. Durch diese frühe Maßnahme können sich die jüngeren Triebe und deren Knospen besser entfalten. Vor der Ernte können überschüssige Triebe entfernt werden, das erleichtert die Erntearbeiten, senkt den Mehltaudruck (bei Stachelbeeren) und reduziert den Winterschnittaufwand.


Süßkirschen
Direkt nach der Ernte ist ein günstiger Termin zum schneiden und korrigieren von starkwachsenden Süßkirschenbäumen. Diese Maßnahme führt zu einer deutlichen Triebberuhigung.

 

Kiwi
Neben dem frühen Winterschnitt kann man Seitentriebe auch im August auf 5-7 Blätter zurückschneiden. Das erhöht die Fruchtbarkeit.


Walnuss
Gehölzen mit starkem Saftdruck wie Walnuss sollten nur im belaubten Zustand geschnitten werden (August/September).




 

 

 

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