Obst- und Gartenbauverein Bad Rotenfels 1930 e.V.
Obst- und Gartenbauverein Bad Rotenfels 1930 e.V.

Rückblick auf das Gartenjahr 2011

von Jürgen Maier-Born

Das Gartenjahr 2011 aus Sicht des
Pflanzenschutzes



to:
Hoyer

 Anders als in den beiden Vor­jahren zeigten sich nach dem schnee­reichen,
vielerorts trüben und relativ kalten Winter nur wenige Frostschäden.



Trockenes und sonniges Frühjahr

Das Frühjahr begann überwiegend sonnig und in vielen Regionen Deutschlands auch
ausgesprochen trocken. Wie schon in den vergangenen Jahren sorgte dieses Wetter
für frühen und teilweise auch starken Befall mit dem Echten Mehltau an
Ziergehölzen und anfälligen Ap­felsorten.



Blattfleckenerreger, wie Sternrußtau an Rose oder Schorf an Ap­fel und Birne,
hatten dagegen in dem trockenen und warmen Frühjahr schlechte
Wachstumsbedingungen.



Extrem viel Blattläuse

Auffällig anders als in den beiden letzten Jahren war die früh einsetzende
Blattlausentwicklung an vielen Obst- und Ziergehölzen. Die Schädlinge sorgten
nicht nur für Verkrüppelungen an Trieben und Blättern, sondern auch für starke
Verschmutzungen unter den Gehölzen durch den in großen Mengen ausgeschiedenen
Honigtau, der Terrassen, Gartenmöbel und un­ter Bäumen parkende Autos ver­klebte.



Obstblüte „davongekommen“

In den Nächten vom 3. bis zum 5. Mai gab es deutliche Nachtfröste. Die
Obstblüte war dank der milden Aprilwitterung zu diesem Zeitpunk schon abgeschlossen.
Dafür verursachten die Minustemperaturen in vielen Regionen erhebliche
Frostschäden an jungen Kirschen und Äpfeln. Der frostempfindliche Austrieb der
Walnuss wurde geschädigt, und in den Weinbauregionen zerstörte der Frost
ebenfalls die jungen Triebe der Rebstöcke.



Insgesamt war der Monat Mai sehr trocken. Allerdings gab es immer wieder in
einzelnen Regionen heftige Niederschläge und auch Hagel. Auf leichten Böden
zeigten sich zum Teil die ersten Trockenschäden, da hier die Wasserreserven
aufgebraucht waren.
 

Außer dass Echter Mehltau auftrat, spielten Pilzkrankheiten das ganze Frühjahr
über eine untergeordnete Rolle. Sogar der regelmäßig auftretende
Birnengitterrost war in vielen Fällen nur schwach vertreten.



Sommerregen mit Pilzinfektionen

Im Juni gab es dann die von vielen Gärtnern ersehnten Niederschläge, die
allerdings sehr unregelmä­ßig verteilt und dann oftmals auch unwetterartig
niedergingen.



Mit den feuchteren Witterungsbedingung entwickelten sich jetzt die oben schon
erwähnten Blattfleckenpilze. Gut zu sehen war das am Kirschlorbeer. Nachdem
sich das junge Laub im Frühling ohne Schrotschussbefall entwickeln konnte,
zeigten sich jetzt deutliche Infektionen.



In den kühlen und wenig von der Sonne verwöhnten Sommermonaten Juli und August
bereiteten Rostpilze gelegentlich Probleme, wie das Beispiel des Pflaumenrosts
zeigt. Auch der Apfelschorf holte in der Entwicklung auf, und Schnecken kamen
aus ihren Verstecken. Mit etwas zeitlicher Verzögerung stellte sich dann auch
Krautfäule an Kartoffel und Tomate ein.



Äpfel und Birnen früh reif

Spätsommer und Frühherbst brach­ten noch einmal sommerliche Temperaturen,
sodass Äpfel und Birnen schon sehr früh reif wurden und sich späte Gemüsearten
gut entwickeln konnten. Das galt leider auch für Apfelwickler, Kohlmottenschildlaus
und die Lauchminierfliege.



Vom starken Blattlausbefall im Frühling abgesehen war 2011 ein Gartenjahr, in
dem der Krankheits- und Schädlingsbefall sich in den üblichen Grenzen hielt.

 

 

 

Jahresrückblick 2011

Weihnachten im Schnee, so bleibt der Dezember 2010 in
Erinnerung. Er war der kälteste und schneereichste Dezember seit 1969 und nur
wenige können sich an solche Schneerekorde erinnern. Die Schneemassen begruben
alle Pflanzen unter sich.

Der Schnee schützte zwar die Vegetation vor frostigen
Temperaturen, doch Buchs, Koniferen, kleinere Hecken und Rosen brachen
mancherorts unter den Schneemassen zusammen. Vom Schnee profitierten die Mäuse.
Unter der Schneedecke waren sie vor ihren Feinden geschützt und konnten
unbemerkt an Rosen, Clematis und anderen Gehölzen knabbern. Nach den
schneereichen Weihnachtsferien setzte Tauwetter ein und bei uns kam noch
ausgiebiger Regen hinzu. Die Böden der vollgesaugten Gärten konnten im
trockenen Frühjahr wieder gut abtrocknen.

Die Temperaturen im Februar waren im Durchschnitt. Nur ein
paar warme Tage über 10 °C lockten schon recht bald die Haselblüte hervor und
an diesen Tagen konnten wir schon frühzeitig vielen Sonnenstunden genießen.

Zu wenig Regen weit und breit, so sah es auch im März aus.
Aufgrund der Trockenheit und fehlender saftiger Vegetation drohte sogar
Waldbrandgefahr. Obwohl tagsüber die Temperaturen schon ganz angenehm waren,
wurde das Pflanzenwachstum durch kühle Nächte gebremst. Besonders gefährdet
waren Gehölze, die auf durchlässigen Böden standen, im Herbst nicht mehr
einwurzelten und nicht gewässert werden konnten. Trotz Trockenheit genossen wir
den März, denn er war der sonnigste seit 1953.

Schon das erste Aprilwochenende schob die Vegetation kräftig
an. So blieb der April: warm, sonnig und trocken. Es regnete nur ein Drittel
der üblichen Menge. Nur am Ende des Monats gab es einige Gewitter.
Durchschnittlich war es 4 °C wärmer. Das sollte sich rächen.

Die Blüte der Frühjahrsblüher kam schnell und war zu kurz.
Rebstöcke trieben stark aus und Obstbäume blühten 14 Tage früher als sonst.
Ostern, Ende April, war geradezu sommerlich. Alle freuten sich über das
Mittelmeerklima im ansonsten so tristen Deutschland. Doch schon einige Tage
später kam es anders.

In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai sanken die Temperaturen
in den Minusbereich. Der ungewöhnliche Wachstumsvorsprung von zwei Wochen war
mit einem Schlag zunichte gemacht. Der Nachtfrost brachte manchen weichen
frischen Trieben den schnellen Tod. Blüten und Fruchtansätze der Obstgehölze
erfroren. Die Kirschen- und Zwetschgenernte viel besonders deshalb eher
spärlich aus. Erdbeerbauern traf es ebenso hart. Die Erdbeerblüten waren nach
dem Frost teilweise schwarz und brachten keine Früchte mehr hervor. Die
Frostnächte schädigten auch Walnussbäume. Vom Frost waren manche Ziergehölze, wie Ahorn,
Tulpenbaum oder Magnolien betroffen. Sie trieben jedoch wieder gut durch und
der Schaden war nach einigen Wochen fast vergessen.

Trotz der Frostnächte war der Mai insgesamt um 2 °C wärmer
als im Durchschnitt. Während nach der Frostnacht ein Teilteil der Obsternte
verloren war, konnten die geschädigten Triebe der Ziergehölze wieder aus
schlafenden Augen austreiben. Allerdings bremste die anhaltende Trockenheit den
Austrieb und das Treibwachstum von Stauden und Gehölze. Und wieder Rekorde:
Seit 1948 gab es kein Frühjahr, das so warm war und so viele Sonnenstunden
hatte wie 2011. Seit dem Hungerjahr 1946 war kein Frühjahr so trocken. Was den
Rasenbesitzer freute, weil fast nichts nachwuchs, machte den Landwirten echte
Probleme. Die Heuernte war nahezu vernachlässigbar.

 

Ungewöhnlich war das frühe Auftreten von Echtem Mehltau.
Zwar bot das trocken-warme Wetter im April für viele Pilzerkrankungen, wie dem
Sternrußtau an den Rosen, oder dem Schorf an Äpfeln und Birnen keine guten
Bedingungen, doch Echter Mehltau ist eben ein Schönwetterpilz. Gewinner des
sommerlichen Frühlingsklima waren die Blattläuse, die schon frühzeitig zartes
Blattwerk vorfanden. Vom Blattlausboom profitierten wiederum viele gefräßige
Nützlinge, wie die Marienkäfer. Bis zum Sommer waren daraufhin die Läuse
verschwunden.

Die Niederschläge in Juni waren ebenfalls spärlich. Der Juli
war zu kühl und wechselhaft und es regnete etwa 50% mehr als in einem
durchschnittlichen Juli. Das unbeständige Wetter des Julis setzte sich in der
ersten Hälfte des Augusts fort. Erst ab Mitte August wurde es - so wie man sich
einen Sommer vorstellt - warm und trocken. Im ganzen Sommer gab es immer wieder
Gewitter mit Hagelschäden.

Das feuchte Wetter war das Paradies für Schnecken und
begünstigte so manche Pilzerkrankungen. Obwohl das trockene Frühjahr die
Vermehrung der Schnecken erst mal bremste, holten sie im Sommer schnell auf. An
den Stauden entwickelten sich Blattfleckenkrankheiten. Dort wo es trotz
Spätfrost im Frühjahr Apfel, Birnen oder Kirschen gab, litten die Früchte oft
unter der Pilzerkrankung Monilia. Weintrauben wurden an manchen Stellen durch
Hagel geschädigt. Leichte Verletzungen führten zu Rissen in der Beerenhaut -
willkommene Eintrittspforten für Mehltau- und Botrytispilze.

Der kühle und regnerische Sommer beeinträchtigte auch die
Ernte der wärmeliebenden Fruchtgemüse, wie Zucchini, Auberginen und Paprika.
Der Anbau von Paprika und Auberginen lohnte sich nur im Gewächshaus oder an
sehr warmen Standorten. Tomaten standen den Sommer erstaunlich gut durch.
Tomaten ohne Regenschutz infizierten sich erst im Spätsommer mit der Kraut- und
Braunfäule. Kartoffeln waren die Gewinner des Sommers. Wer sie zu lange in der
Erde lies, erntete viele Kartoffelriesen.

Wie haben wir uns doch über den mäßigen Sommer geärgert!
Doch er zeigte auch seine guten Seiten. Pflanzen, die stressige Hitze nicht
mögen, kamen ausnahmsweise gut davon. Sommerblühende Clematis blühten lang und
intensiv. Die Waldbewohnerin litt bei den mäßigen Temperaturen weit weniger
unter der Clematiswelke als sonst. Der Phlox schätzt normalerweise die kühleren
Regionen. In diesem Jahr gedieh er aber überall prächtig und war so schön wie
nie. Auch andere Beetstauden gerieten nicht in Trockenstress und blühten
farbenprächtiger denn je.

2011 war sicher kein Rosenjahr, dazu fehlte Sonne und Wärme.
Das Erbe des warmen Frühjahrs war ein starker Befall von Echtem Mehltau. Dazu
kam Rosenrost und Sternrußtau im feuchten Juni. Doch so manche Englische Rose
profitierte von dem mäßig warmen Sommer. Viele englische Rosenzüchtungen sind
nämlich nicht für extreme Hitze ausgelegt. Sie blühen bei mäßigen Temperaturen
länger und williger wieder nach.

Pflanzzeit Juli? In jedem Gartenratgeber wäre das unmöglich.
Doch in diesem Sommer war das genau richtig. Sommerpflanzungen wuchsen besser
an als Frühjahrpflanzungen. Wer hätte das gedacht! Doch zum Leitwesen der
Gärtner wuchs auch das Unkraut schneller als die Kulturpflanzen.

Ein stabiles Hochdruckwetter bescherte uns einen herrlichen
Altweibersommer. Der September fiel bis zu 2,5 °C wärmer aus als im
Durchschnitt. Im Oktober stieg das Thermometer auf rekordverdächtige 28°C und
wenig Niederschlag.

 

Die ungewöhnlich farbenprächtige und langanhaltende
Herbstfärbung der Gehölze war signifikant. Die Vegetation ließ sich kaum
bremsen. Späte Obstsorten und Weintrauben konnten gut ausreifen. Aufgrund des
warmen Wetters schwellten sogar ruhende Knospen an Gehölzen, blühten einige
Wildrosen und an besonders günstigen Lagen spitzten Apfelblüten. Selbst die
Rosen bekamen noch einmal Schwung und blühten bis spät in den Herbst hinein.
Die Natur kam einfach nicht zur Ruhe. Dies kann sich aber negativ auf die
Winterhärte auswirken. So bleibt es spannend und die Bayerische Gartenakademie
wird die Entwicklung der Vegetation und des Schädlingsbefalls auch in den
kommenden Monaten im Auge behalten.

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